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Donnerstag, 19. Juni 2008

"Ofeig" -"Der nicht sterben soll" - Polarbear killing in Iceland


Auf Island verirrter Eisbär nach Sturm auf Journalisten erschossen

Reykjavik (dpa) - Ein auf Island verirrter Eisbär ist am Dienstag von Scharfschützen der Polizei erschossen worden. Wie ein Behördensprecher mitteilte, war der Bär in Panik auf eine Gruppe Journalisten an der Küste von Nordisland losgestürmt. Der Bär sollte eigentlich nur betäubt und von Spezialisten des Kopenhagener Zoos entweder in seine Heimat Grönland oder in den Zoo von Dänemarks Hauptstadt gebracht werden. Das Tier war ebenso wie zwei Wochen zuvor ein Artgenosse von der 500 Kilometer entfernten Polarinsel auf Eisschollen nach Island getrieben worden, wo Eisbären sonst nicht leben.

Proteste von Tierschützern
Wie der Sender RUV in Reykjavik berichtete, hatte ein zwölf Jahre altes Mädchen das Raubtier vor dem Bauernhof seiner Eltern nahe der Ortschaft Saudarkrokur am Skagafjord gesichtet und die Behörden alarmiert.Nachdem die Behörden den ersten der beiden Bären von Polizeischützen töten ließen, reagierten Umweltorganisationen sowie Tierschützer mit scharfen Protesten und verwiesen auf die akute Bestandsgefährdung für diese Tierart in der Arktis.Der zweite Bär sollte deshalb unter allen Umständen den für ihn ungeeigneten Aufenthaltsort in Island lebend verlassen können. "Wenn es ein junges Weibchen ist, kann das Tier bei uns unterkommen, wenn es ein Männchen ist, geht das nicht", sagte Zoodirektor Bengt Holst vor Beginn der dann tödlich ausgegangenen Jagd auf den Bären.

Man hatte auch überlegt, das Tier zu betäuben und zurück nach Grönland zu bringen. Ein Tierarzt war mit einem Betäubungsgewehr auf dem Weg. Der isländische Milliardär Björgulfur Thor Björgulfsson versprach bereits, die Kosten für die Bergung des lebendigen Bären zu übernehmen.Über das zeitweilige Treiben des verirrten und offenbar hungrigen "Ofeig" im Nordwesten der sonst komplett bärenfreien Atlantikinsel hieß es, er habe in einem Vogelreservat "jede Menge rohe Eier gegessen und auch sonst Tabula rasa gemacht".


Erster Bär zur Sicherheit erschossen
Vor zwei Wochen hatten die Behörden den Abschuss des Bären als Sicherheitsmaßnahme verteidigt. Es habe nicht genug Zeit gegeben, Betäubungsmittel zu besorgen, man habe auch Angst gehabt, die Fährte des sich schnell bewegenden männlichen Tieres im Nebel zu verlieren. Nachdem auch die Umweltministerin Islands konsultiert worden war, wurde das Tier erschossen.

Letzter Bärenbesuch vor mehr als 20 Jahren
Island liegt knapp unter dem Polarkreis. Zuletzt wurde hier 1993 ein Eisbär gesichtet, auch dieser überlebte seinen Besuch nicht. Das einzige heimische wilde Landtier auf der fast baumlosen, aber im Sommer auch weitgehend schnee- und eisfreien Insel ist der Polarfuchs.

Links und Fotos:Daily Telegraph(Foto 1),Guardian.uk (Foto 2/Iceland TV),Foto 3/AP

English Version

Daily Telegraph Article/Iceland police shoot second Greenland polar bear
June 18, 2008

POLICE in Iceland have shot a second polar bear that apparently travelled hundreds of kilometres across the sea to the island nation.The animal was spotted by a 12-year-old girl on a farm, who raised the alarm - causing a crowd of media and onlookers to gather.But the bear was gunned down after it charged the journalists.

It is believed the bear travelled several hundred kilometres from Greenland atop an ice floe, probably landing near the town of Saudarkrokur, on the Skaga fjord, where it was seen and killed.

The bear was the second known to have made the trip across the north Atlantic in just two weeks.International outrage followed after cameramen filmed police shooting the first bear - warning, graphic footage.They were the first such incidents in 20 years in Iceland, which lies just below the Arctic Circle and where polar bears are not native.In the earlier case, authorities permitted police marksmen to kill the polar bear, sparking protests from environmentalists and animal rights' groups.After the protests, authorities had vowed to capture the second bear and have it shipped in a cage back to Greenland or give it to a zoo.

But after the bear charged a group of reporters "in a panic", a police spokesman said they had "no other choice" but to kill it.


Footnote: The oldest record of polar bears being sighted in Iceland is from 890, 16 years after the first settlers arrived. The last visit was in 1993, when sailors saw a bear swimming off the coast of Strandir. It was also killed.Polar bears were frequently tamed during the middle ages, but since then no bear has been captured alive in Iceland.